Die häufigsten Fehler bei einer freien Trauung
Eine freie Trauung lässt euch viel Spielraum. Ihr könnt den Ort wählen, den Ablauf verändern, Menschen einbinden und alles weglassen, was nicht zu euch passt. Genau diese Freiheit führt allerdings manchmal dazu, dass immer noch eine Idee dazukommt. Dann noch ein Ritual. Noch ein Beitrag. Noch ein Musikstück. Und irgendwann ist die Trauung zwar sehr individuell geplant, aber vor allem sehr voll.
Die meisten Fehler entstehen nicht, weil Paare sich keine Gedanken machen. Häufig ist eher das Gegenteil der Fall. Es wird so viel geplant, dass einfache Dinge untergehen: Können alle etwas hören? Sitzen die Gäste eine Stunde in der Sonne? Weiß nach dem Auszug jemand, wie es weitergeht?
Einen grundsätzlichen Überblick über Ablauf, Dauer und Gestaltung findet ihr in meinem Beitrag zur freien Trauung im Ruhrgebiet. Hier geht es um die Punkte, die in der Praxis besonders häufig unnötigen Stress verursachen.
Der schönste Platz wird gewählt ohne ihn praktisch zu prüfen
Auf den Fotos der Location sieht die Wiese großartig aus. Vor Ort stellt sich dann heraus, dass sie um 14 Uhr komplett in der Sonne liegt, der Weg für die Großeltern ziemlich weit ist und im Hintergrund Motorräder über die nächste Straße fahren. Hübsch ist ein Traubereich damit immer noch. Gut geeignet ist er deshalb noch lange nicht.
Schaut euch den Platz möglichst zu der Uhrzeit an, zu der später auch eure Trauung stattfinden soll. Prüft, wo die Sonne steht, wie weit die Wege sind und ob es störende Geräusche gibt. Wichtig ist auch die Blickrichtung: Wenn die Hälfte der Gäste direkt in die Sonne schaut, hilft der schönste Traubogen nicht mehr viel.
Plant diesen Teil für die Menschen vor Ort und nicht allein für die Kamera. Eure Gäste erleben die Trauung im Sitzen und ohne Filter. Was ihnen an einem Hochzeitstag auffällt und was ihnen ziemlich egal ist, habe ich im Beitrag Was Gäste wirklich über eure Hochzeit denken zusammengefasst. Auch die Frage, ob eine Idee vor allem gut aussieht oder euch tatsächlich guttut, gehört hierher. Mehr dazu findet ihr in Hochzeit für Instagram oder für euch.
Der Plan B besteht hauptsächlich aus Hoffnung
Natürlich wünscht sich fast jedes Paar eine Trauung unter freiem Himmel. Das Wetter interessiert sich nur leider nicht dafür, wie lange ihr geplant habt. Ein brauchbarer Plan B bedeutet deshalb mehr als einen Raum, in den man zur Not schnell ein paar Stühle stellt.
Schaut euch die Alternative genauso genau an wie den Außenbereich. Passt eure Gästezahl hinein? Ist der Raum hell genug? Kann die Technik aufgebaut werden? Und wer entscheidet bis wann, ob die Trauung nach innen verlegt wird? Wenn diese Fragen vorher geklärt sind, müsst ihr am Hochzeitstag nicht im Regen diskutieren, ob es vielleicht doch noch vorbeizieht.
Die Technik wird erst kurz vor dem Einzug ausprobiert
Eine persönliche Rede bringt wenig, wenn sie ab der dritten Reihe niemand mehr versteht. Gerade draußen werden Wind, Gespräche aus dem Restaurant nebenan oder einfach die Entfernung schnell unterschätzt. Dass der Trauredner laut sprechen kann, ersetzt keine vernünftige Tonanlage.
Mikrofon und Lautsprecher sollten vor dem Eintreffen der Gäste aufgebaut und getestet sein. Für Eheversprechen oder Beiträge braucht ihr außerdem ein zweites Mikrofon oder eine klare Lösung, wie es weitergegeben wird. Und falls die Technik der Location genutzt wird, sollte vorher geklärt sein, wer sie bedient. ‚Das machen wir dann irgendwie‘ ist bei Ton selten ein guter Plan.
Der Ablauf wird immer voller
Bei der Vorbereitung klingt jede einzelne Idee schön. Zwei Musikstücke, drei Beiträge, ein Ritual, persönliche Eheversprechen und dann hat die Tante auch noch etwas vorbereitet. Jede Sache für sich kann funktionieren. Zusammen wird daraus schnell eine Trauung, die kein Ende findet.
Eine gute Zeremonie braucht keine möglichst hohe Zahl an Programmpunkten. Sie braucht einen klaren Ablauf und genug Ruhe, damit die wichtigen Momente nicht zwischen Moderationen und Umbaupausen verschwinden. Wenn etwas keinen eigenen Wert für euch hat, kann es raus. Dadurch geht nichts verloren. Der Ablauf wird meistens besser.
Ein Ritual wird eingebaut weil man das bei einer freien Trauung so macht
Ihr müsst weder Sand zusammenschütten noch einen Baum pflanzen, wenn ihr euch dabei komisch vorkommt. Ein Ritual kann gut sein, wenn es aus eurer Geschichte entsteht oder Menschen einbindet, die euch wichtig sind. Ohne diesen Bezug wirkt es schnell wie ein Fremdkörper.
Ich frage deshalb nicht zuerst, welches Ritual ihr möchtet, sondern ob ihr überhaupt eines braucht. In meinem Beitrag Rituale bei der freien Trauung sinnvoll oder kitschig erkläre ich genauer, wann ein Ritual trägt und wann man es besser weglässt.
Beiträge von Gästen werden nicht abgesprochen
Beiträge von Trauzeugen, Geschwistern oder Eltern können eine Trauung sehr persönlich machen. Schwierig wird es, wenn niemand weiß, wie lange gesprochen werden soll oder worum es ungefähr geht. Aus den angekündigten fünf Minuten werden dann gern fünfzehn. Manchmal wird eine Geschichte erzählt, die lustig gemeint ist, aber vorne beim Paar nicht ganz so gut ankommt.
Jeder Beitrag sollte vorher mit dem Trauredner abgestimmt werden. Es geht nicht darum, jedes Wort zu kontrollieren. Thema, Länge und Zeitpunkt sollten aber feststehen. So bleibt der Beitrag eine schöne Ergänzung und übernimmt nicht aus Versehen die komplette Zeremonie.
Das Eheversprechen wird zur Pflichtaufgabe
Ein persönliches Eheversprechen kann einer der stärksten Momente der Trauung sein. Es kann aber genauso gut enormen Druck auslösen. Nicht jeder möchte vor achtzig Menschen über seine Gefühle sprechen. Und nicht jeder schreibt gern.
Wenn ihr ein Eheversprechen möchtet, fangt nicht erst am Vorabend damit an. Sprecht vorher über Länge und Ton, damit nicht einer drei Sätze vorbereitet und der andere plötzlich mit vier Seiten erscheint. Wenn ihr eure Worte lieber nur miteinander teilen möchtet, könnt ihr sie auch aufschreiben, versiegeln und später gemeinsam lesen. Ein Eheversprechen ist eine Möglichkeit, keine Aufnahmeprüfung für die Ehe.
Musik und Einzüge werden nur auf dem Papier geplant
Auf dem Ablaufplan steht dann: Musik startet, Braut zieht ein, Musik endet. In der Realität muss jemand wissen, wann genau der Song beginnt, wie lange der Weg dauert und was passiert, wenn der Einzug schneller vorbei ist als das Lied.
Geht die Wege einmal ab und stimmt klare Zeichen mit Musikern, DJ oder der Person an der Anlage ab. Das gilt auch für den Auszug. Es ist erstaunlich schwer, gleichzeitig Ringe, Brautstrauß und die Hand des anderen zu sortieren und nebenbei noch zu überlegen, in welche Richtung man jetzt eigentlich gehen sollte.
Der Trauredner wird nur nach Preis oder Außenwirkung ausgewählt
Natürlich spielt das Budget eine Rolle. Trotzdem sagt der Preis allein wenig darüber aus, ob euch jemand versteht, euren Humor trifft und eine Rede schreibt, in der ihr euch wiedererkennt. Dasselbe gilt für eine große Reichweite oder besonders schöne Videos. Sie zeigen einen Ausschnitt, aber nicht, wie die Vorbereitung abläuft.
Vergleicht deshalb den enthaltenen Umfang und führt ein persönliches Gespräch. Welche Leistungen hinter einem Honorar stehen können, findet ihr in meinem Beitrag über die Kosten eines Trauredners im Ruhrgebiet. Worauf ihr beim Kennenlernen achten solltet, erkläre ich außerdem in Trauredner im Ruhrgebiet finden.
Am Ende müsst ihr diesem Menschen eure Geschichte anvertrauen und ihm während der Trauung gern zuhören. Wenn das Kennenlerngespräch schon anstrengend ist, wird sich dieses Gefühl am Hochzeitstag nicht plötzlich erledigt haben.
Nach dem Auszug fehlt ein klarer Übergang
Die Trauung endet, die Musik läuft, alle klatschen und ihr zieht aus. Und dann? Wenn niemand weiß, ob zuerst gratuliert, ein Gruppenfoto gemacht oder direkt zum Sektempfang gegangen wird, entsteht vor dem Traubereich schnell ein kleiner Stau.
Legt vorher fest, wohin ihr nach dem Auszug geht und was eure Gäste tun sollen. Eine kurze Ansage reicht. Auch Location, Service, Fotografie und Trauzeugen sollten den Plan kennen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, macht den Übergang aber deutlich entspannter.
Was eine freie Trauung stattdessen braucht
Eine gute freie Trauung muss nicht möglichst viel enthalten. Sie sollte gut vorbereitet sein, technisch funktionieren und euch genug Raum lassen, den Moment überhaupt mitzubekommen. Oft wird sie besser, sobald eine Idee verschwindet, die eigentlich nie zu euch gepasst hat.
Wenn Ort, Ablauf und Beteiligte klar abgestimmt sind, darf am Hochzeitstag trotzdem etwas Ungeplantes passieren. Eine gute Vorbereitung sorgt dafür, dass nicht jede kleine Abweichung zum Problem wird.
Über mich
Torsten Hartmann
Ich bin Daniel, freier Trauredner und Hochzeitsplaner aus Essen. Seit rund zehn Jahren begleite ich Paare bei freien Trauungen im Ruhrgebiet, deutschlandweit und im Ausland.
In meinen Trauungen geht es um eure Geschichte und um die Dinge, die euch tatsächlich ausmachen. Dazu gehören die großen Entscheidungen genauso wie die kleinen Eigenheiten, über die eure Freunde meistens schon lachen, bevor ich den Satz beendet habe. Wir planen den Ablauf gründlich, aber wir bauen keine Show, in der ihr am Ende nur noch Statisten seid.
Wenn ihr herausfinden möchtet, ob meine Art zu euch passt, könnt ihr mich über meine Seite für freie Trauungen im Ruhrgebiet unverbindlich kennenlernen.
Ihr sucht noch den passenden Trauredner für eure Hochzeit? Dann schreibt mir gerne direkt eine E-Mail oder nutzt das Kontaktformular auf meiner Website.
Ich freue mich darauf, mehr über euch, eure Geschichte und eure Destination Wedding zu erfahren.



